Brandschutz im Holzbau

Haustechnik effizient abschotten

Wenn Rohre, Kabel oder Kabeltrassen durch Brandwände und Decken geführt werden, sind je nach Gebäudeklasse unterschiedliche Brandschutzanforderungen zu erfüllen. Seit Ausweitung der Holzbauweise auf das mehrgeschossige Bauen und die Gebäudeklassen 4 und 5 (Landesbauordnung Baden-Württemberg), stehen Planer, Hersteller und Bau-Unternehmen vor ganz neuen Herausforderungen im Bereich des baulichen Brandschutzes. Standardlösungen mit Zulassungen sucht man hier bisher vergeblich.

Lignotrend, Hersteller von Brettsperrholz-Elementen, hat gemeinsam mit Brandschutz-Experten des Bautechnologie-Konzerns Hilti Lösungen für den Brandschutz erarbeitet, die in einem Wohnbauprojekt der Gebäudeklasse 4 realisiert wurden. Seit mehr als 25 Jahren steht die Firma Lignotrend aus dem badischen Weilheim für innovative und nachhaltige Holzbau-Gestaltung. Die Idee der Holzblocktafel von Firmengründer Werner Eckert ist eine der Grundlagen für das heute im Holzbau weit verbreitete Brettsperrholz. Dabei handelt es sich um großformatige, massive und mehrschichtig verleimte Holzplatten, die sich aufgrund der großen Tragfähigkeit für die Verwendung als Wand-, Decken- oder Dach-Element eignen. Neben dem Einsatz im Wohnungsbau werden die Elemente auch für kommunale und gewerbliche Objekte eingesetzt. Im Vergleich zu anderen Bauweisen ist Bauen mit Holz weitaus weniger standardisiert. Lignotrend hat allerdings eine standardmäßige Konfigurierbarkeit seiner Produkte und der daraus herzustellenden Bauteile im Fokus und gibt damit Anwendern die Möglichkeit, sehr individuell auf Gestaltungswünsche und Anforderungen hinsichtlich Energieeffizienz, Akustik oder Raumklima einzugehen. Schon bei der Planung der optimalen Holzbau-Lösung sollen auf diese Weise auch Spezialthemen der Bauphysik wie Schallschutz oder Brandschutz frühzeitig gelöst werden. Bei Großprojekten etwa fordert der Brandschutz hohe Feuerwiderstände und seitens der Haustechnik viel Raum für die Leitungsdurchführungen, die sicher abgeschottet werden müssen. Brandschutzlösungen gibt es zwar viele auf dem Markt, allerdings keine standardmäßigen Zulassungen für den Einsatz im Holzbau. Für ein Großbauprojekt in Lauchringen hat Lignotrend im vergangenen Jahr nicht nur Produkte geliefert, sondern eine Reihe von Brandschutz-Tests durchgeführt und ein exemplarisches Beispiel für Brandschutz im Holzbau zur Realisierung begleitet.

Brandschutzkonzept

Mit dem Riedpark ist in Lauchringen ein ganz neues Stadtviertel auf der grünen Wiese entstanden, das altersgerechte Wohnbebauung für Jung und Alt, Geschäftsräume, Einzelhandel, einen Park, etc. umfasst. Zwei der über 20 neu entstehenden Mehrfamilienhäuser sind komplett in Holzbauweise made of Ligno errichtet, also in ihrer tragenden Struktur mit den Brettsperrholz-Rippenelementen von Lignotrend. Die vierstöckigen Häuser umfassen sechs bzw. zehn Eigentumswohnungen. „Bei diesem Projekt haben wir viel Pionierarbeit leisten müssen“, berichtet Ralph Eckert, der 2016 die Geschäftsführung der Lignotrend Produktions GmbH von seinem Vater Werner Eckert übernommen hat. „Anfangs waren nur Teile der Tragstruktur aus Holz vorgesehen, am Ende ist nun von den Wänden, Decken bis ins Dach alles aus Holz – und zwar vielfach in sichtbarer Qualität.“ Beim Bauprojekt kooperierte der ortsansässi ge Architekt Jörg Kaiser früh mit Lignotrend. Eckert fährt fort: „Bei dieser Größe – zwei Geschosse mehr – ist alles anders als bisher: die Logistik, das Produktionsvolumen, die Statik, etc.“ Insbesondere die Anforderungen an den Brandschutz stellten eine große Herausforderung für Architekt und Bauträger dar. Die Regelungen in den Bauordnungen sind nicht einheitlich, Zulassungen für den Holzbau teils noch nicht vorhanden und die Genehmigungsverfahren langwierig. Die fast 12 m hohen Gebäude fallen gemäß der Landesbauordnung Baden-Württemberg in die Gebäudeklasse 4. Diese regelt die grundlegenden Anforderungen an Feuerwiderstand und Entflammbarkeit von Bauteilen folgendermaßen:

„(…) tragende oder aussteifende, sowie raumabschließende Bauteile, die hochfeuerhemmend oder feuerbeständig sein müssen, aus brennbaren Baustoffen – ohne brandschutztechnisch wirksame Bekleidung – zulässig, wenn die geforderte Feuerwiderstandsdauer nachgewiesen wird und die Bauteile so hergestellt und eingebaut werden, dass Feuer und Rauch nicht über Grenzen von Brand- oder Rauchschutzbereichen, insbesondere Geschosstrennungen, hinweg übertragen werden können.“ (LBO Baden-Württemberg § 26 (3), 2015)

Wohingegen die Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise eine "(…) hohlraumlose Bauweise und nichtbrennbare Dämmstoffe (Schmelzpunkt >1000°C) und die Kapselwirkung der „brandschutztechnisch wirksamen Bekleidung aus nicht brennbaren Baustoffen (K260) fordert" (M-HFHHolzR, 2004). „Letztendlich trägt der Planer die Verantwortung für den Brandschutz. Bei einem Pilotprojekt dieser Art hat man sich deshalb dazu entschlossen, Spezialisten für Brandschutzgutachten und -produkte hinzuzuziehen“, so der Lignotrend-Geschäftsführer. Brandschutzgerecht abgeschottet Haustechnische Installationen und besonders ihre Durchführung durchtrennende Bauteile von Nutzungseinheiten haben einen wesentlichen Einfluss auf das Brandentstehungsrisiko und den Feuerwiderstand und müssen entsprechend abgeschottet werden. Doch welche Brandschutz-Produkte können nun beim Sonderuntergrund Holz eingesetzt werden? Hilti unterstützt die Anwender nicht nur mit maßgeschneiderten Brandschutzlösungen für den vorbeugenden baulichen Brandschutz, sondern auch mit technischer Beratung und Brandschutz-Schulungen. Dank eigenem Brandschutz-Kompetenzzentrum, in dem die Produkte entwickelt, getestet und auch produziert werden, kann Hilti gezielt auf Kundenanforderungen reagieren. In besonders anspruchsvollen Fällen wie bspw. dem Riedpark-Projekt, erarbeiten die Technischen Berater von Hilti zusammen mit den Zulassungs-Spezialisten und dem Produkt-Management eine individuelle Lösung. Diese beinhaltet, wie Rohr- und Kabeldurchführungen gemäß den gesetzlichen Anforderungen und im richtigen Kosten-Leistungsverhältnis abgeschottet werden können. Zudem werden vorab verschiedene Tests durchgeführt, um die Realisierbarkeit der Lösung zu testen. „Im vorliegenden Beispiel haben wir im Vorfeld zahlreiche Tests durchgeführt, welche Produkte am sinnvollsten und ohne Laibungsverkleidung (Gips) einzubauen sind. Am Ende wurden verschiedene Hilti Brandschutzprodukte verbaut: für (Abwasser-)Rohre bis 110 mm die Endlos-Brandschutzmanschette „CFS-C EL“, für nichtbrennbare Rohre und Alu-Verbundrohre mit Elastomerkautschuk Isolierung die Brandschutzbandage „CFS-B“, für kleinere bis mittlere Kabeldurchführungen die Brandschutzhülse „CFS-SL“ und sowohl für Rohre als auch Kabel einsetzbar den Brandschutzstein „CFS-BL P“, erläutert Alexander Waldner, Hilti Manager Approvals & Regulations Firestop und gepr. Sachverständiger für brandschutztechnische Bau- und Objektüberwachung (EIPOS GmbH). Der Brandschutzstein ist dem Weichschott und dem Mörtelschott in den meisten Fällen vorzuziehen. Entscheidender Vorteil: Der Feuerwiderstand liegt beim Hilti Brandschutzstein „CFS-BL P“ bei 90 Minuten im Längseinbau und 30 Minuten im Quereinbau. Darüber hinaus ist er dank seiner weichen Struktur in der Verarbeitung äußerst flexibel, einfach zu installieren sowie trocken und sauber einbaubar. Auch im laufenden Betrieb des Gebäudes zahlt sich die Abschottung mit Brandschutzsteinen aus. Er ist für eine Nachbelegung mit Kabeln durchsteckbar und lässt sich in älteren Schotts einfach nachbelegen. In Verbindung mit Holz würde sich aber auch der Hilti Brandschutzschaum „CFS-F FX“ sehr gut eignen. „Der Brandschutzschaum als „dämmschichtbildender Baustoff“ vergrößert im Brandfall sein Volumen und dichtet so die Abschottung im Holz zuverlässig ab“, so Ralph Eckert. „Das macht den Einsatz einer Laibung aus Gipsplatten in unseren Brettsperrholz-Rippenelementen absolut überflüssig.“ Aktuelle Brandschutzprüfungen in Brettsperrholz- und Holzrahmenbauelementen werden in einer gutachterlichen Stellungnahme zusammengefasst und geben dem Brandschutzverantwortlichen die Sicherheit ein geprüftes System im Holzbau zu verwenden. Die Bauartgenehmigung der Abschottungen im Holzbau ist beim DIBt beantragt. Die Möglichkeiten des baulichen Brandschutzes im Holzbau sind vielfältig. Egal welches Produkt ausgewählt wird, entscheidend ist die Planung und Zusammenführung aller Gewerke im Vorfeld. Denn wo im konventionellen Hochbau oftmals noch akzeptiert wird, wenn vor Ort umdisponiert wird, ist dies im hochwertigen Holzbau mit wie bei Lignotrend fertigen Holzoberflächen an den vorgefertigten Systemelementen nicht erwünscht.


Thematisch passende Artikel:

Partner im baulichen Brandschutz

Einfach, aber richtig

Als Isolier-Fachbetrieb ist Walter Baum im süddeutschen Raum Ansprechpartner, wenn es um Wärme- und Kälteisolierungen, die Zuschnitte von Sonderblechen oder den Brandschutz in der Haustechnik von...

mehr
Richtungsweisendes Projekt in Dresden

Aufstockung in Holzbauweise

Ursprünglich wollte die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ), mit einem Bestand von etwa 7.662 Wohnungen eines der großen Wohnungsunternehmen der Stadt Dresden, die vier Mietshäuser im...

mehr