Einkaufswelten in historischer Kulisse

Sicheres Einkaufserlebnis

Einkaufen, das ist schon lange nicht mehr eine klassische Form zur Deckung des täglichen Bedarfs. Ein nahezu perfektes, abwechslungsreiches Warenangebot ist selbstverständlich, den Unterschied macht das Ambiente aus. Seelenlos aufgereihte Betonwürfel auf der grünen Wiese geraten zunehmend ins Hintertreffen. Projektentwickler nutzen die Chance, Innenstädte mit markanten, historischen Gebäuden durch Einkaufswelten aufzuwerten. Unter baulichen Aspekten sind dabei größere Anstrengungen erforderlich. Aber: der Publikumserfolg gibt den Kreativen recht.

Auf dem Areal der ehemaligen Schultheiss Brauerei in Berlin-Mitte entwickelt die HGHI Holding GmbH eine Einkaufs- und Erlebniswelt mit rund 100 Geschäften auf ca. 30.000 m² Retailfläche. Außerdem entstehen Büroflächen sowie ein Hotel in einem urbanen Stadtquartier, das damit Tradition und Moderne verbindet. Ein bedeutender Gesichtspunkt ist Sicherheit in jeder Situation und zu jeder Zeit. Brandschutz hat dabei sehr hohe Priorität. Die Konzentration von vielen Menschen und leicht brennbaren Waren birgt zwar Risiken, die aber dank einer erprobten Technik zuverlässig beherrschbar sind. Eine moderne Vision verbunden mit der geschichtlichen Atmosphäre der ehemaligen Schultheiss-Brauerei prägen das Bild in Berlin Moabit neu. Die planenden Ingenieure wurden folgerichtig vom Bauherrn mit der Aufgabe betraut, einerseits den historischen Charakter des Gebäudes zu erhalten und andererseits eine zeitgemäße Sicherheitsarchitektur insbesondere auch in Sachen Brandschutz herzustellen. Basierend auf den gesetzlichen Regeln, den behördlichen Vorgaben und in Kooperation mit der Gebäudetechnik wurde ein im Brandschutzkonzept definiertes automatisches Schutzsystem von HT Protect Feuerschutz und Sicherheitstechnik GmbH realisiert. Das Unternehmen aus Sachsen konnte dabei auf einschlägige Erfahrungen bei Projekten verweisen, in denen aktuelle Brandschutztechnologie in historisch bedeutsamen Gebäuden mit modern gestalteten Räumen erfolgreich installiert wurde.
Außerdem arbeitet HT Protect z.Zt. auch in Leipzig („The Post“ + „Bankhauspalais“) und in einem bestehenden Büro- und Geschäftshaus aus dem Jahr 1905 in Dresden an vergleichbaren historischen Bauvorhaben.
Rückgrat der jetzt im Schultheiss Quartier eingerichteten Brandschutztechnik ist ein automatisch wirkendes Sprinklersystem im Zusammenspiel mit einer Hydrantenanlage, welche hauptsächlich durch die Feuerwehr genutzt werden soll. Die Sprinkleranlage schützt sowohl das Innere des Gebäudes als auch Flächen im unmittelbar angrenzenden Außenbereich. Besondere Brandschutz-Maßnahmen sind zudem für schwer zugängliche Bereiche – wie Zwischendeckenhohlräume – vorgesehen. Für den Einbau einer Sprinkleranlage sprechen gleich mehrere Gründe. Für den Investor und seine Mieter ist vor allen Dingen wichtig, dass dieses System automatisch arbeitet, also rund um die Uhr verfügbar ist und ohne zusätzliches Sicherheitspersonal auskommt. Für den Fall, dass es doch einmal zu einem Brand kommt, löschen Sprinkler selektiv. Das bedeutet: Nur in dem Bereich, wo definierte Temperaturwerte in Folge von Brandeinwirkung überschritten werden, tritt Löschwasser aus. Alle anderen Flächen bleiben unbeeinträchtigt. Die Sprinkleranlage liegt dazu wie ein Netz über der zu schützenden Fläche. Das Rohrnetz ist meist unsichtbar in der Decke installiert bzw. farblich an die Deckengestaltung angepasst und bedeutet daher keine Störung des architektonischen Gesamteindrucks.
Das Herz der Anlage ist die Sprinklerzentrale, die sich im Schultheiss Quartier im 1.UG befindet und über ein Treppenhaus direkt erreichbar ist. Von hier aus werden die jeweiligen Bauteile über sechs Alarmventilstationen mit Löschwasser versorgt. Im Betriebszustand ist das Sprinklerrohrnetz der Nassgruppen (NAV) mit Wasser gefüllt und wird über eine automatische Druckhaltung auf einem konstanten Vordruck gehalten. Der Lagerbereich im Freien wird auf Grund der Frostgefährdung mit einer Trockenanlage (TAV) geschützt. Das Rohrnetz der Trockenanlage ist im Betriebszustand zunächst mit Druckluft gefüllt, um auch bei Minustemperaturen einsatzbereit zu sein.
Bei Öffnung eines Sprinklers durch die thermischen Brandeinwirkungen fällt der Druck im Sprinklerrohrnetz ab und startet automatisch die eigentliche Sprinklerpumpe. Im konkreten Objekt sind sogar alle erforderlichen Pumpensysteme (Sprinkler + Hydranten) redundant ausgelegt und verfügen über Notstrom für den Fall, dass die öffentliche Stromversorgung ausbleibt. Zeitgleich erfolgt ein elektrisches Signal vom Alarmdruckschalter der ausgelösten Gruppe auf die Brandmeldeanlage zur Verständigung der Hilfs- und Rettungsdienste. Mit optischen und akustischen Signalen werden außerdem die Besucher und Mitarbeiter alarmiert.
Alle technischen Brandschutzeinrichtungen sind so ausgelegt, dass nicht allein während der Öffnungszeiten ein sehr hoher Sicherheitsstandard gewährleistet ist. Gerade in Zeiten, in denen sich keine Personen im Quartier aufhalten, ist Brandschutz von elementarer Bedeutung, weil sich kleine Entstehungsbrände gerade dann unbemerkt entwickeln können. Nach den Erfahrungen der Feuerwehrexperten sind die ersten Minuten zwischen Brandentstehung und Löschangriff entscheidend. Die Sprinkleranlage ist damit unter mehreren Aspekten für die Feuerwehrmänner eine wichtige Arbeitserleichterung: Zum einen werden die Flammen sofort und unmittelbar bekämpft und zum anderen können die Rettungsdienste beim Eintreffen vor Ort in dem weitläufigen Areal über den Alarmgeber den Brandherd schnell lokalisieren.
Knapp 90 % aller Entstehungsbrände werden von ein bis zwei Sprinklern beherrscht. D.h. der Brand kann mit einer äußerst geringen Wassermenge kontrolliert und somit große Wasserschäden vermieden werden. Die Löschanlage ist gemäß den Brandlasten (Brandgefahrenklasse HHS3) konstruiert und für die Mindestbetriebszeit von 90 Minuten ausgelegt. Damit Wasser als Löschmittel ausreichend zur Verfügung steht, wird dieses in einem 610 m³ fassenden Vorratsbehälter für die gesamte Löschzeit bereitgestellt. 538 m³ sind dabei für die Sprinkleranlage reserviert und 72 m³ für Wandhydranten vorgesehen.
Während es in anderen Industrieländern immer wieder zu schwerwiegenden Bränden im großflächigen Einzelhandel kommt, sorgt in Deutschland nicht allein ein qualifiziertes Regelwerk, sondern insbesondere die fachgerechte Umsetzung für bestmögliche Sicherheit von Kunden, Mitarbeitern und Sachwerten. Für die Auslegung und Ausführung der Sprinkleranlage im Schultheiss Quartier hat HT Protect die aktuellen Normen, Verordnungen, technischen Vorschriften, Richtlinien, Auflagen und Empfehlungen umgesetzt. Dazu zählen:


➤ VdS CEA 4001 Richtlinien für Sprinkleranlagen
➤ DIN 14 462
➤ DIN 1988-600
➤ Vorgaben aus dem Brandschutzkonzept (Büro HHP Berlin) sowie dem des Sachverständigen (Dipl. Ing. Torsten Clauß)
➤ Vorgaben der Berufsfeuerwehr Berlin


Auf Grund des Lagerrisikos im Bereich einzelner Mietflächen erfolgte die Auslegung der Wasserversorgung für die Brandgefahrenklasse HHS3 (High Hazard Storage für hohes Gefahrenpotential), obwohl für den Einzelhandel mit Ladengeschäften und den Büros die Einstufung in die Gefahrenklasse OH (Ordinary Hazard für mittlere Brandgefahren) ausgereicht hätte.
Der Bereich des Lagers mit den leeren PE-Pfandflaschen in Kunststoffkisten musste besonders ausgelegt werden, da im Brandfall von einer sehr schnellen und hohen Energiefreisetzung auszugehen ist. Zur schnelleren Detektion sind deshalb schnell ansprechende Sprinkler eingesetzt und die maximale Schutzfläche pro Sprinkler wurde von 12 auf 7,5 m² reduziert. Die Energiebindung erfolgt durch eine auf 12,5 mm/min erhöhte Wasserbeaufschlagung. In den Zwischendecken im Lagerbereich und beim Leergutlager existiert überdies für den Hohlraumschutz ein separates Strangrohrnetz.
Das Sprinkler-Hauptrohrnetz besteht im Wesentlichen aus pulverbeschichtetem oder verzinktem Stahlrohr. Um insbesondere die Optik in den historischen Gewölbedecken zu erhalten, sind teilweise zugelassene Kunststoff-Rohrsysteme in die Decken-/Fußbodenkonstruktion einbetoniert.
Mit diesem ganzheitlichen Brandschutzkonzept wurde in den epochalen Gebäuden der einstigen Schultheiss Brauerei ein hochmodernes Brandschutzkonzept realisiert. Ergänzt wird die automatische Sprinkleranlage u.a. durch Steigleitungen für die Feuerwehr. Zur Sicherheit von Besuchern und Mitarbeitern wurden in den zwei beschriebenen Gebäudeteilen insgesamt rund 3.300 Sprinkler installiert. „Im Herzen von Berlin-Mitte vereint das Schultheiss Quartier alle Facetten des städtischen Lebens wie Arbeiten, Einkaufen, Übernachten und Unterhaltung in einem einzigartigen Ambiente", so charakterisiert Harald Gerome Huth, Inhaber und Geschäftsführer der HGHI Holding GmbH, die Perspektiven für den Standort im einstigen Arbeiterbezirk.

x

Thematisch passende Artikel:

Auszeichnung für vorbildlichen Brandschutz

Sprinkleranlage für Messehalle

Die von Zaha Hadid Architects entworfene Messehalle 3C der NürnbergMesse hat eine Bruttoausstellungsfläche von ca. 9.600 m2 und wird optisch durch eine 3.000 m2 große Glasfassade sowie 2.300 Tonnen...

mehr
Sicherheit für Besucher und Exponate

Brandschutzkonzept fürs Museum

Ein Alleinstellungsmerkmal des August Horch Museums ist neben den automobilen Raritäten ein Präsentationskonzept, mit dem die Betrachter in das damalige Umfeld des Automobils eintauchen können. In...

mehr

Sprinkleranlagen in Krankenhäusern

Neues Positionspapier des bvfa

Der Schutz gefährdeter Personen ist gerade in einer störungsempfindlichen sozialen Infrastruktur wie einem Krankenhaus von höchster Bedeutung. Ein Brand hat nicht nur dramatische Folgen für die...

mehr

Bautec mit InnoTreff Brandschutz: Programm steht fest

Wissensforum nach dem Stand der angewandten Brandschutztechnik: „Brandschutzkonzept geprüft und genehmigt“, für Fachplaner oftmals ein Weg mit Hindernissen. Denn die Realität sieht in der Praxis...

mehr
Ausgabe 2021-02 Schutz der digitalen Infrastruktur von Unternehmen

Brandschutz für Rechenzentren und Serverräume

Anfang des Jahres brannte es bei einem großen Cloud-Hoster aus Straßburg. Durch den Großbrand wurden rund 12.000 der 100.000 betriebenen Server am Standort zerstört. Damit waren einige der dort...

mehr