FVLR: Neue Regeln im neuen Merkblatt

Luftdichtigkeit von Öffnungen zur Rauchableitung in Aufzugsschächten

Eine effektive Entrauchung rettet Leben. Aufzüge zählen in Gebäuden dabei zu den sensibelsten Bereichen, weil sie höchsten Sicherheitsanforderungen unterliegen. Deshalb sind zum Zweck der Rauchableitung im Brandfall sowie zur Belüftung am oberen Ende eines Aufzugsschachts Öffnungen anzubringen. Welche Anforderungen insbesondere zur Einhaltung des Gebäude Energiegesetzes (GEG) dafür gelten, hat der Fachverband Tageslicht und Rauchschutz e.V. (FVLR) gemeinsam mit dem Fachverband Luftdichtigkeit im Bauwesen e.V. (FLiB) und der Gütegemeinschaft Rauch-und Wärmeabzugsanlagen e. V (GRW) in einem neuen Merkblatt erarbeitet.

Das neue Merkblatt zur „Luftdichtigkeit von Öffnungen zur Rauchableitung in Aufzugsschächten“ ist vor allem für Architekten, Planer, TGA-Planer, Lüftungsbauer, Bauherren und Monteure interessant. Aus Brandschutzgründen werden Aufzüge in den meisten Fällen mit eigenen Fahrschächten ausgeführt. Dieser Fahrschacht muss je nach Gebäudeart unterschiedlichen brandschutztechnischen Anforderungen genügen, um im Brandfall eine Rauch- und Brandausbreitung über den Aufzug zu verhindern. „Für die tägliche Nutzung müssen die Fahrschächte zu lüften und für den Brandfall zu entrauchen sein“, verdeutlicht Ulrich Koch, Geschäftsführer des FVLR. „Seit vielen Jahrzehnten wird diese Öffnung daher als einfache, permanente Öffnung im Dach oder der Fassade ausgeführt, die in der Regel nicht verschlossen waren.“

Öffnungen zur Rauchableitung dürfen mit Abschlüssen versehen werden

Mit dem neuen Gebäudeenergiegesetz (GEG), das seit dem 1. November 2020 in Kraft ist, sind Gebäude allerdings so zu errichten, dass sie nach den anerkannten Regeln der Technik dauerhaft luftundurchlässig sind. Die freien Querschnitte der Öffnungen zur Rauchableitung stellen jedoch eine permanente Leckage in der Gebäudehülle dar. Damit verbunden sind erhebliche Energieverluste der Gebäude. Damit die Dichtheitsanforderung nun auch bei den Öffnungen zur Rauchableitung in Aufzugsschächten erfüllt werden kann, wurde der § 39 der Musterbauordnung angepasst. Ab sofort dürfen die Öffnungen zur Rauchableitung auch mit Abschlüssen versehen werden. Voraussetzung ist, dass diese im Brandfall selbsttätig und zusätzlich von mindestens einer Stelle aus manuell geöffnet werden können.

Die Auswahl der Bauprodukte ist entscheidend

Eine weitere Änderung: Im Rahmen der Überprüfung der Luftdichtigkeit durch den Blower-Door-Test von Gebäuden wurden die Öffnung bisher temporär verschlossen. Mit einer Aktualisierung der DIN EN ISO 9972:2018-12, als Grundlage für die Nachweisführung durch den Blower-Door-Test, ist dies zukünftig nicht mehr erforderlich. „Wichtig ist jedoch, dass die permanenten Öffnungen in der grundsätzlichen Auslegung des Gebäudes berücksichtigt werden“, berichtet Ulrich Koch. „Kommen Abdeckungen wie zum Beispiel Lichtkuppeln oder Flachdachfenster zum Einsatz, reduzierenden sie die Energieverluste natürlich erheblich. Aber auch diese Produkte können keine 100-prozentige Luftdichtigkeit garantieren. Daher sollten nur Bauprodukte zum Einsatz kommen, für die entspreche Nachweise über die Luftdichtigkeit vorliegen. Diese Werte können dann in der Auslegung berücksichtiget werden.“

Das neue Merkblatt ist ab sofort kostenfrei über die Webseite des FVLR oder die beiden anderen Verbände erhältlich.

x

Thematisch passende Artikel:

Geschäftsführerwechsel beim FVLR

Stabswechsel beim FVLR: Mit dem Fachverband Tageslicht und Rauchschutz e. V. (FVLR) verbindet Geschäftsführer Thomas Hegger so gut wie sein halbes Leben. Nach 20 Jahren wird er sich zum Jahresende...

mehr
Ausgabe 2020-02

Einheitsblatt VDMA 24177:2020-05 „Maschinelle Rauch- und Wärmeabzugsgeräte zur Rauchableitung aus Gebäuden im Brandfall“

Nach einer Überarbeitung steht das aktuelle Einheitsblatt VDMA 24177:2020-05 „Maschinelle Rauch- und Wärmeabzugsgeräte zur Rauchableitung aus Gebäuden im Brandfall“ zur Verfügung. VDMA 24177...

mehr
Ausgabe 2019-01 Wartung von natürlichen Rauchabzugsgeräten

Nur Originalersatzteile bieten Sicherheit

NRWG (Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte) werden mit all ihren Komponenten einer Eignungsprüfung unterzogen. Alle Einzelteile müssen den Anforderungen der Überprüfung standhalten. Darüber...

mehr

Brandschutzbandage

Im Brandfall entsteht durch verbrennende Rohrleitungen oder Isolierungen eine Öffnung in Wand oder Decke, über die sich Feuer und Rauch in angrenzende Räume, Geschosse oder Brandabschnitte...

mehr

Neue Entrauchungssteuerung

Hinter der Marke „rigentoS3“ steht ein komplettes Ein- und Ausschaltsystem für den Einsatz in Nichtwohngebäuden. Der Schwerpunkt liegt in der maschinellen Entrauchung im Brandfall. „rigentoS3“...

mehr