Voraussetzung für erfolgreiche Löscheinsätze

Feuerwehr-Laufkarten seit 40 Jahre im Einsatz

Seit 40 Jahren ermöglichen Feuerwehr-Laufkarten den Einsatzkräften eine schnelle Orientierung auch in unbekannten Gebäuden. Die früher am Reißbrett handgefertigten Grafiken werden heute elektronisch gepflegt und auf synthetischem Papier ausgedruckt. Elektronische Informationssysteme stellen der Feuerwehr bereits während der Anfahrt sämtliche Brandschutzgrafiken und die relevanten Informationen der Brandmelderzentralen auf einem Mobilgerät zur Verfügung.

Bei Löscheinsätzen in Gebäuden mit einer auf die Leitstelle aufgeschalteten Brandmeldeanlage (BMA) müssen Feuerwehren häufig mit besonderen Einsatzlagen rechnen. Die Ausstattung mit einer BMA ist in der Regel für Gebäude bauaufsichtlich gefordert, wo große Menschenmengen, eine komplexe Gebäudestruktur oder große Brandlasten hohe Risiken nach sich ziehen. Für einen erfolgreichen Löschangriff grundlegend ist eine schnelle und sichere Orientierung der Feuerwehrleute bzw. Einsatzkräfte im Gebäude. Obwohl die Übungsintensität die Risiken in den Liegenschaften berücksichtigt, ist es den Feuerwehren insbesondere in Ballungsräumen unmöglich, alle Gebäude zu kennen. Aus diesem Grund wurden 1978 die ersten Feuerwehr-Laufkarten entwickelt, die bis heute im Einsatz sind. Entwickelt wurden sie von Brandschutzpionier Günther Krupke in der im Jahr 1978 gemeinsam mit der Siemens AG und der Feuerwehr in Stuttgart gegründeten „re‘graph Gesellschaft für Reprographie und Gebrauchsgraphik mbH“ (www.regraph.de). Die Innovation von 1978 erwies sich als so erfolgreich, dass sie bereits einige Jahre später ihren Eingang in die DIN 14 675 [1] [2] fand. Außerdem sind sie in den „Technischen Anschlussbedingungen“ TAB) der jeweiligen Kommunen bzw. Feuerwehren berücksichtigt.

Schnelle Orientierung

Feuerwehr-Laufkarten zeigen der Feuerwehr am Objekt nach Meldergruppen geordnet den Angriffsweg zum auslösenden Brandmelder sowie zu anderen Brandschutzeinrichtungen. Damit ermöglichen sie den Einsatzkräften die schnelle Orientierung in einem zumeist unbekannten Gebäude. Die ersten Feuerwehr-Laufkarten entstanden aufwendig per Hand auf dem Reißbrett. Farbige Symbole und Grafiken wurden mittels Folie und Anreibelöffel einzeln auf die Feuerwehr-Laufkarten aufgetragen. Ebenfalls einzeln erfolgte das Herstellen der Wasserbeständigkeit durch Laminieren per Hand. Seitdem hat sich viel getan. Die Informationen zu den Feuerwehr-Laufkarten sind heutzutage elektronisch gespeichert und können zeitsparend und komfortabel geändert werden. Der Ausdruck erfolgt auf leistungsfähigen DIN A3- bzw. DIN A4-Farbdrucksystemen. Seit neuestem werden sie auf synthetischen Papier angeboten, die nicht mehr laminiert werden müssen. Sie sind ohne weitere Behandlung wasserfest, UV-beständig, schwer entflammbar, unzerreißbar und umweltfreundlich recyclebar. Sie sind dünner und ermöglichen damit im Vergleich zu laminierten Feuerwehr-Laufkarten eine kompaktere und damit kostensparende Aufbewahrung bei ähnlicher Stabilität.

Netzwerk Feuerwehr-Peripherie

Feuerwehr-Laufkarten lassen sich nur in Verbindung mit einer abgestimmten Feuerwehr-Peripherie sinnvoll nutzen. Die Feuerwehr startet ihren Einsatz, nachdem von der Leitstelle die Einsatzadresse übermittelt worden ist. Für komplexe bzw. mit hohen Risiken behaftete Liegenschaften sind unter Umständen Feuerwehrpläne nach DIN 14 095 vorhanden, die alle relevanten Einsatzinformationen enthalten, wie bspw. Geschosspläne und Raumbezeichnungen. In diesem Fall kann die Einsatzleitung bereits während der Anfahrt wichtige Informationen sichten. Am Objekt eingetroffen, verschafft sich die Feuerwehr mit dem Objektschlüssel aus dem Feuerwehr-Schlüsseldepot (FSD) Zugang zum Objekt bzw. zu den Räumen. Zentrale Anlaufstelle ist dann die Feuerwehr-Informationszentrale (FIZ), die – von der Brandmelderzentrale abgesetzt und für die Feuerwehr leicht zugänglich – ein Feuerwehr-Anzeigetableau (FAT) und ein Feuerwehr-Bedienfeld (FBF) sowie die Feuerwehr-Laufkarten enthält (Abbildung 4). Damit können u.a. die ausgelösten Brandmelder lokalisiert und alle Meldungen der BMZ zeitlich geordnet abgerufen werden. Wenn keine elektronischen Informationssysteme eingesetzt werden, ist die FIZ der einzige Ort, an dem die Feuerwehr über die Melderhistorie des FAT einen ersten Überblick über die Ausdehnung des Brandereignisses erhalten kann. Die erste Gerätenorm für FBF erschien ebenfalls 1984 (DIN 14 661), die für FAT (DIN 14 662) im Jahr 2002. In Feuerwehr-Anlaufstellen (FAS) sind FAT und FBF sowie individuell zusammengestellte Zusatzkomponenten integriert, die auf die Einsatztaktik der jeweiligen Feuerwehr abgestimmt sind (Abbildung 5). Die Feuerwehr-Laufkarten enthalten in kompakter Form alle Informationen, die zum Lokalisieren und Auffinden der auslösenden Brandmelder notwendig sind. Die normativ so vorgesehene Platzierung der Feuerwehr-Laufkarten an der FIZ ist vorteilhaft, da sich die einsatzrelevanten Informationen immer an derselben Stelle befinden. Elektronische Informationssysteme bieten weitere Vorteile. In ausgedehnten Gebäuden kann die Feuerwehr erst beim Eintreffen an der FIZ feststellen, ob bspw. eine Verlegung zu einem anderen Gebäudezugang notwendig ist. Durch den Einsatz elektronischer Informationssysteme wie dem „Aplimo“-Informationssystem „Aplis“ kann die Feuerwehr wertvolle Zeit sparen.

Zeitvorteil durch mobile Bereitstellung

Elektronische Informationssysteme wie bspw. „Aplimo“ von re'graph empfangen alle relevanten Informationen der Brandmelderzentralen (BMZ) wie Alarme und andere Meldungen. Das „Aplis“-Informationssystem von re'graph speichert diese auf einem Datenserver. Dort sind zahlreiche weitere Informationen hinterlegt, wie Feuerwehr-Laufkarten, Feuerwehrpläne und andere Brandschutzgrafiken. Über eine gesicherte und verschlüsselte Verbindung können diese Informationen dem Betreiber und der Feuerwehr übersichtlich auf Mobilgeräten zur Verfügung gestellt werden. Damit erhält die Einsatzleitung bereits während der Anfahrt Einblick in die Meldungshistorie der BMZ auf einem virtuellen FAT/FBF. Zusätzlich stehen weitere Brandschutzgrafiken wie Feuerwehr-Laufkarte der auslösenden Meldergruppe oder Feuerwehr- und Sonderpläne zur Verfügung. Möglich sind auch Informationen über Raumnutzungen oder zum gelagerten oder verwendeten Inventar, wie z. B. Datenblätter über gefährliche Chemikalien. Mit diesen Informationen kann nicht nur der Einsatz effektiv vorgeplant werden, sondern unter Umständen ist auch die direkte Zufahrt zu einem alternativen Gebäudezugang möglich.

Vorteile auch für Betreiber

Elektronische Informationssysteme erleichtern nicht nur die Einsatzplanung der Feuerwehr, sondern stellen auch dem Betreiber sämtliche Informationen aus den BMZ zur Verfügung. So können im Alarmfall interne Mitarbeiter unverzüglich informiert und Alarme verifiziert werden.