Schutz für das Gerätehaus

Freiwillige Feuerwehr Martinfeld erhielt LoRaWAN-Branddetektion

Ein Thüringer Feuerwehrhaus wurde im Rahmen des Projekts „SMARTinfeld“ mit funkbasierter Rauchdetektion ausgestattet. Diese ersetzt zwar keine normkonforme Brandmeldeanlage, bietet aber zumindest eine pragmatische Antwort auf eine bestehende Schutzlücke.

Ab sofort überwacht mit der LoRaWAN-Branddetektion eine funkbasierte Branderkennung rund um die Uhr das Feuerwehrgerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Martinfeld. Gemeinsam mit der Gemeinde Martinfeld hat dies das ortsansässige Unternehmen Alpha-Omega Technology realisiert. Der Modellort „SMARTinfeld“ – ein Wortspiel aus „smart“ und „Martinfeld“ – macht erlebbar, wie IoT-Lösungen für eine ganze Gemeinde funktionieren und das Dorfleben zukunftsfähig gestalten. Alpha-Omega Technology mit Sitz in Schimberg, wozu auch Martinfeld gehört, hat nun in seinem Heimat-Ortsteil im Rahmen des Projekts LoRaWAN-Rauchwarnmelder, ein LoRaWAN-Gateway am Gerätehaus und die Anbindung an das bei der Wehr bereits etablierte Einsatz- und Alarmierungssystem „Divera 24/7“ installiert.

Mit dem Brandschutz reagiert die Gemeinde auf eine bundesweite Versorgungslücke, deren Folgen sich zuletzt durch zwei Brände zeigten. Innerhalb weniger Monate sind zwei moderne Feuerwehrgerätehäuser ausgebrannt: im Oktober 2024 in Stadtallendorf und im Januar 2025 in Treffurt. In beiden Fällen war zum Brandzeitpunkt keine automatische Branderkennung in Betrieb. Denn eine vollwertige Brandmeldeanlage nach DIN 14675 ist für Gerätehäuser baurechtlich meist nicht vorgeschrieben, kostenintensiv und in Planung, Vergabe und Aufschaltung mehrere Monate von der Betriebsbereitschaft entfernt. Genau in dieser Lücke setzen LoRaWAN-Rauchwarnmelder an: Sie detektieren Rauch nach DIN EN 14604, senden den Alarm parallel als verschlüsseltes Funktelegramm über ein Gateway in die Cloud und alarmieren binnen Sekunden definierte Personen per Push, SMS oder E-Mail.

 

System aus drei Komponenten

Das LoRaWAN-System im Feuerwehrhaus Martinfeld besteht aus drei Komponenten:

LoRaWAN-Rauchwarnmelder „TG563A“ von Sieben-S/Hager in Fahrzeughalle, Umkleide- und Sozialräumen sowie im Schulungs- und Technikbereich. Der „TG563A“ ist ein nach DIN EN 14604 zertifizierter Rauchmelder mit integriertem LoRaWAN-Funkmodul: Akustischer Alarm vor Ort plus parallele Funkmeldung, batteriebetrieben mit langer Standzeit.

LoRaWAN-Gateway am Gerätehaus mit Reichweite von mehreren Kilometern im ländlichen Raum. Das Gateway steht der Gemeinde Schimberg für eine spätere Mitnutzung durch weitere kommunale Liegenschaften zur Verfügung.

Anbindung an „Divera 24/7“: Alarme aus dem Gerätehaus werden über das von Alpha-Omega Technology betriebene LoRaWAN-Backend automatisch in das Einsatz- und Alarmierungssystem „Divera 24/7“ der Freiwilligen Feuerwehr Martinfeld weitergeleitet. Damit nutzt der Brandalarm dieselben Wege wie eine reguläre Einsatzalarmierung: Wehrführung, Gerätewart und definierte Einsatzgruppen werden parallel auf der Plattform und per Push-Benachrichtigung erreicht.

 

Pragmatische Antwort auf

bestehende Schutzlücke

Jan Bose, Geschäftsführer bei Alpha-Omega Technology, betont: „Eine LoRaWAN-basierte Branddetektion ist kein 100-prozentiger Schutz und ersetzt keine normkonforme Brandmeldeanlage (BMA). Sie ist nicht nach DIN 14675 geplant, nicht im Sinne der technischen Anschlussbedingungen auf die Leitstelle aufgeschaltet und unterliegt nicht den wiederkehrenden Prüf- und Wartungspflichten einer BMA. Wo eine Brandmeldeanlage baurechtlich oder versicherungstechnisch gefordert ist, bleibt sie gesetzt; auch in Martinfeld bleibt sie der Zielzustand, wenn baulich und finanziell darstellbar.“

Die hier installierte Lösung versteht sich daher bewusst nicht als Ersatz, sondern als pragmatische Antwort auf eine bestehende Schutzlücke: Für die weit überwiegende Mehrzahl der rund 23.800 Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland besteht keine BMA-Pflicht. Und genau dort entsteht die Lücke, die das Martinfelder System schließt: Dauerhaft, wo keine BMA vorgesehen ist, und als Interimsschutz, wo eine BMA zwar beschlossen, aber noch nicht installiert ist. Anders gesagt: Es geht nicht um die Wahl zwischen „LoRaWAN“ und „BMA“, sondern um die Wahl zwischen „LoRaWAN“ und gar keine automatische Überwachung.“Jan Bose ergänzt: „Wir können die Lücke nicht für alle Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland schließen. Aber wir können sie in unserem Heimat-Gerätehaus erheblich verkleinern und zeigen, dass die Technologie funktioniert, finanzierbar ist und innerhalb weniger Tage einsatzbereit. Indem wir den Alarm direkt in das bei der Wehr eingesetzte „Divera 24/7“ einspielen, integriert sich das System nahtlos in die bestehenden Einsatzabläufe. ‚SMARTinfeld‘ ist unser Beitrag aus der Region für die Region – und gleichzeitig eine Einladung an andere Kommunen, das Modell zu übernehmen.“

 

Skalierbares Modell für Kommunen

Das in Martinfeld umgesetzte Konzept lässt sich auf andere Gemeinden übertragen. Ein einzelnes Gateway am Gerätehaus versorgt im Umkreis weitere kommunale Liegenschaften mit LoRaWAN-Funkabdeckung, etwa Schulen, Rathäuser, Bauhöfe, Streusalzsilos oder Pegelmesspunkte. Stellt ein Landkreis oder ein Landesrechenzentrum die Backend-Ebene zentral bereit, sinken die Einstiegshürden für einzelne Kommunen erheblich. Der Investitionsaufwand pro Gerätehaus liegt dann im niedrigen vierstelligen Bereich. Das ist eine Größenordnung, die auch im Haushalt kleinerer Gemeinden darstellbar ist.

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