Digitaler Werkzeugkoffer

KI-Unterstützung zur Projektierung von Brandmeldeanlagen

Steigende Projektzahlen, Fachkräftemangel und hohe Anforderungen an Planung, Dokumentation und Normkonformität erhöhen den Zeitdruck im anlagentechnischen Brandschutz. Hekatron hat darauf reagiert und seine digitale Servicelandschaft um neue, KI-gestützte Funktionen erweitert, die einerseits die Arbeit erleichtern sollen, andererseits aber die fachliche Entscheidung konsequent beim Anwender belassen. Wie das funktioniert, erläutert Matthias Schmölders, Leiter Digital Business Solutions bei Hekatron, im Interview.

Herr Schmölders, der Fachkräftemangel und steigende Dokumentationspflichten setzen Errichter und Planer zunehmend unter Druck. An welchen Stellen kann KI helfen, diesen zu nehmen und zugleich zeiteffizient zu arbeiten?

KI kann vor allem dort entlasten, wo wiederkehrende Routineaufgaben anfallen oder Informationen schnell verfügbar sein müssen. In der Planung sind viele Anforderungen durch Normen klar beschrieben. Diese Regeln lassen sich abbilden und mithilfe von Bilderkennung oder Sprachmodellen zum Beispiel auf konkrete Grundrisse übertragen. Das spart Zeit, weil sich Anwender nicht erst durch technische Dokumente, Normen und Richtlinien oder, wie bisher, Stockwerk für Stockwerk händisch durch ein Gebäude arbeiten müssen, um eine Brandmeldeanlage zu planen.

 

Hekatron hat seine digitale Servicelandschaft „H+“ um KI-basierte Funktionen erweitert und diese auf der Messe FeuerTrutz in Nürnberg erstmals präsentiert. Wie funktionieren diese genau?

Aktuell umfasst unser digitaler Werkzeugkoffer „H+“ zwei KI-Anwendungsfälle: „H+ Plan“ analysiert Grundrisse, erkennt Räume und erstellt einen ersten normativen Planungsvorschlag für Brandmeldeanlagen, inklusive Stückzahlen. Was bisher je nach Gebäude Stunden dauern konnte, wird damit auf Minuten reduziert.

„H+ Assist“ dagegen beantwortet technische Fragen rund um Hekatron-Produkte auf Basis vorhandener Produktinformationen und Dokumente, nachvollziehbar, belegbar und auf die konkrete Fragestellung bezogen.

 

„H+ Plan“ erstellt nach dem Upload eines Grundrisses automatisch einen ersten Vorschlag für die Melderplatzierung. Auf welchen technischen bzw. normativen Grundlagen entstehen diese Vorschläge?

Die Vorschläge entstehen auf denselben technischen und normativen Grundlagen, die auch bei einer klassischen manuellen Planung angewendet werden, zentral sind hier die DIN VDE 0833-2 und die DIN 14675. Die relevanten Normen sind im System hinterlegt und bilden die Basis für die Melderplatzierung. Normative Änderungen werden laufend ins System übernommen. 

 

Provokant gefragt: Geben Fachplaner und Errichter mit der Nutzung von KI nicht die Kontrolle über das Ergebnis aus der Hand? Inwiefern können sie individuell eingreifen?

Nein. „H+ Plan“ ist keine Blackbox. Anwender können Ergebnisse jederzeit prüfen, anpassen und bearbeiten. Die fachliche Verantwortung bleibt vollständig beim Planer. Das ist wie beim Autofahren mit Assistenzsystemen: Die Aufmerksamkeit sollte deshalb nicht nachlassen. Unsere KI beschleunigt die Arbeit, ersetzt aber weder Erfahrung noch Sachverstand. Die Experten haben dann allerdings wieder mehr Kapazität für die kritischen Punkte.

 

Welche Prüfungen sollte der Anwender immer selbst durchführen, bevor ein KI-generierter Planungsvorschlag umgesetzt wird?

Der Anwender muss den Vorschlag immer mit der tatsächlichen Planungsrealität abgleichen. Ausgangspunkt ist der konkrete Grundriss und die Frage: Was brauche ich, was ist hier fachlich gefordert – und passt der Vorschlag dazu? Praktisch bedeutet das, zu prüfen, ob die erkannte Struktur, die Anzahl der Melder und deren Platzierung plausibel sind. „H+ Plan“ bereitet das visuell so auf, dass sich das sehr schnell erfassen lässt.

 

Brandschutzkonzepte unterschieden sich je nach Gebäudenutzung, Sonderbereichen oder individuellen Anforderungen. Wie flexibel kann „H+ Plan“ auf komplexe oder außergewöhnliche Projekte sowie auf mögliche Nutzungsänderungen reagieren?

„H+ Plan“ setzt dort an, wo das Brandschutzkonzept steht und klar ist, dass eine klassische Brandmeldeanlage projektiert werden soll. Für diesen Bereich ist das System flexibel: Es erkennt Räume, berücksichtigt Stammdaten wie Deckenhöhen und erlaubt Anpassungen durch den Anwender. Sonderbrandlösungen sind aktuell noch nicht Teil des Tool-Umfangs, Überlegungen hierzu laufen.

 

Wie stellen Sie sicher, dass sowohl „H+ Plan“ als auch „H+ Assist“ stets auf einem aktuellen technischen und normativen Stand arbeiten?

Wir arbeiten mit Cloud-Services. Dadurch liegt der Aufwand für technische Aktualität, Sicherheitsupdates und Wartung bei uns und nicht beim Anwender. Wir begleiten das kontinuierlich: Größere Releases erfolgen regelmäßig, zusätzliche Sicherheitsupdates und Bugfixes auch kurzfristig. Normativ ist das für uns Standardgeschäft: Unsere Normen- und Richtlinienexperten sind in den relevanten Gremien aktiv und bekommen Änderungen früh mit.

 

Mit „H+ Assist“ soll technisches Wissen rund um die Uhr verfügbar sein. Welche Fragestellungen kann der digitale Assistent bereits heute zuverlässig beantworten und wann führt weiterhin kein Weg am persönlichen technischen Support vorbei?

„H+ Assist“ kann heute bereits sehr viele und auch spezifische Fragen beantworten, die sich aus unseren Produktunterlagen, technischen Dokumenten und Broschüren ergeben. Das reicht von kurzen Anleitungen über Übersichten bis zu konkreten technischen Detailfragen zu Produkten, Einbau oder Service. Seine Stärke liegt darin, Wissen schnell verfügbar und nachvollziehbar aufzubereiten, inklusive Belegstellen aus den zugrunde liegenden Dokumenten, Halluzinationen gibt es nicht. Bei sehr individuellen normativen Sonderfällen, wenn etwas defekt ist oder es eine individuelle Bewertung braucht, bleibt der persönliche Support wichtig.

 

Gerade größere Errichter arbeiten häufig mit etablierten CAD-, BIM- oder Dokumentationssystemen. Wie fügt sich „H+“ in bestehende Planungsprozesse und Softwarelandschaften ein?

„H+ Plan“ versteht sich als intelligenter Zwischenschritt innerhalb bestehender Planungsprozesses. Der Anwender holt sich hier Antworten auf seine Fragen rund um die Planung von BMA und arbeitet damit in seinem Prozess weiter.

 

Welche Sicherheitsmechanismen und Datenschutzkonzepte kommen bei den KI-Funktionen zum Einsatz und welche Daten verbleiben vollständig in der Hoheit des Anwenders?

Die Datenhoheit liegt jederzeit beim Anwender. Er entscheidet selbst, welche Personen auf Projekte und Informationen zugreifen, diese bearbeiten oder verwalten dürfen. Hekatron hat grundsätzlich keinen Einblick in die Kundendaten, außer, wenn dies zu Supportzwecken explizit freigegeben wird. Zum Schutz der Daten kommen etablierte Sicherheitsmechanismen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung, Rollen- und Berechtigungskonzepte sowie moderne Verschlüsselungs- und Sicherheitsstandards zum Einsatz. Die Daten werden in einer von der Securitas-Gruppe betriebenen Cloud in europäischen beziehungsweise schweizerischen Rechenzentren verarbeitet und unterliegen den entsprechenden Datenschutzvorgaben.

 

Bis zum Ende des Jahres können die neuen Funktionen kostenlos getestet werden. Ab 2027 soll es dafür von Hekatron ein Abo-Modell geben. Wie wird das aussahen?

Bis Ende des Jahres steht die Testphase im Vordergrund. Dabei sammeln wir bewusst Kundenfeedback, um die Funktionen weiter zu optimieren. Ab 2027 wird es ein einfaches, nutzerbasiertes Abo-Modell geben, das sich an bekannten Software-Abonnements orientiert.

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