Ein Leuchtturm im Schwarzwald - Brandschutz im Holzbau

Modellprojekt soll Hochhausbau mit Holz stärken – DBU fördert mit rund 330.700 Euro

Holz gibt es im Schwarzwald reichlich, Leuchttürme bisher weniger. Das soll sich bald ändern: 14 Stockwerke hoch will die Baugenossenschaft Arlinger in Pforzheim ein Hochhaus mit Namen „Carl“ bauen – und das hauptsächlich aus Holz. „Carl“ könnte laut Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein Leuchtturm für die Holzbaubranche werden – und gleichzeitig mithilfe dieses regionalen, nachwachsenden und klimaschonenden Materials dringend benötigter Wohnraum schaffen. Die DBU fördert das Projekt mit über 300.000 €.

Ein "Leuchtturm" am Rande des Schwarzwaldes: Im Holzhochhaus Carl und den zwei flachen Gebäuden nebenan sollen 73 Wohnungen, eine Kindertagesstätte für rund 100 Kinder sowie eine Bäckerei mit Café Platz finden.
Copyright: © PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN

Ein "Leuchtturm" am Rande des Schwarzwaldes: Im Holzhochhaus Carl und den zwei flachen Gebäuden nebenan sollen 73 Wohnungen, eine Kindertagesstätte für rund 100 Kinder sowie eine Bäckerei mit Café Platz finden.
Copyright: © PETER W. SCHMIDT ARCHITEKTEN
Lösungen bei Brandschutz und Statik bundesweit übertragbar

„Konventionelles Bauen mit Stein, Stahl und Beton benötigt sehr viele Ressourcen und Energie. Der Holzbau stellt dazu eine ökologische Alternative dar, die wirtschaftlich konkurrenzfähig werden soll“, erläutert Sabine Djahanschah, DBU-Fachreferentin für Architektur und Bauwesen.Doch bisher seien die Bauvorschriften noch so, dass Hochhäuser aus Holz in der Regel gar nicht oder nur mit vielen Ausnahmeregelungen genehmigt werden. Das mache sie für Bauherren aufgrund zusätzlicher Kosten unattraktiv. Das Holzhochhaus „Carl“ soll in eine neue Richtung weisen, so Arlinger-Vorstand Carsten von Zepelin. „Unsere Konzepte sollen später auch von anderen genutzt werden können und so den Holzbau insgesamt fördern.“ Bundesweit übertragbar sollen vor allem technische Lösungen bezogen auf den Brandschutz und die Statik werden. Als Beispiel könne die sogenannte Krempe, die Ausbildung eines Vorsprungs als Verlängerung der Geschossdecke, genannt werden. Die würde das Überspringen eines Feuers an der Holzfassade von einem Stock zum anderen verhindern und somit unter Einhalten aller Brandschutzvorschriften bodentiefe Holzfenster und eine Holzfassade ermöglichen.

Holz-Hybrid-Bauweise für den Brandschutz

Fassade, Kern, Inneres: „So viel Holz wie möglich“ ist das Motto von „Carl“. Die Verwendung von Holz als Baumaterial liege gerade in Lagen wie Pforzheim am Rande des Schwarzwaldes auf der Hand: In der Gegend sei viel regionales Holz vorhanden, welches bisher beim Hausbau selten verwendet werde. Das Hochhaus besteht aber nicht nur aus Holz. „Carl“ ist ein sogenanntes Holz-Hybrid-Hochhaus, deswegen kommen auch Stahl und Beton zum Einsatz. „So setzen wir beispielsweise bei dem Kern des Treppenhauses aus Brandschutzgründen Beton ein“, erklärt von Zepelin. Trotzdem würde beim Bau etwa ein Drittel einer der mittlerweile knappsten Rohstoffe der Welt eingespart werden: Sand. Dieser wird für die Herstellung von Stahlbeton benötigt, der wiederrum in zwei Drittel aller Bauwerke weltweit verbaut wird. Zudem sollen vorgefertigte Module einen schnelleren Bau ermöglichen.

Rund 2.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid-Emissionen einsparen

Für Arlinger-Vorstand von Zepelin gibt es noch ein Vorteil für die Verwendung von Holz: „Das Material ist stabil, hat bei wenig Eigengewicht eine hohe Tragkraft und steht Stahl damit in nichts nach.“ Auch seine Ökobilanz sei gut. Berechnungen würden ergeben, dass der geplante Neubau pro Lebenszyklus, also 50 Jahre, rund 2.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid-Emissionen weniger verursache als ein konventioneller. Zudem wachse Holz nach und sei vollständig recycelbar. „‚Carl‘ hat das Potenzial, ein starkes Signal für den Holzbau und zugleich das heimische Holz als Material ins ganze Land zu senden. Das macht den Bau zu einem geeigneten Leuchtturm, auch fernab der Küste“, resümiert DBU-Generalsekretär Bonde.