Neuer Plenarsaal für den Landtag

Brandschutzplatten im Schlossgartenflügel

In fünfjähriger Bauzeit wurde der Schlossgartenflügel des Schweriner Schlosses saniert. Kern der Maßnahme war der Neubau des Plenarsaales mit Konferenz- und Nebenräumen für den im Schloss tagenden Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Für die besonderen Herausforderungen im Brandschutz in Verbindung mit klimatischen Anforderungen, wurden individuelle Lösungen mit erarbeitet.

Kaum ein Parlament in Deutschland arbeitet in einem so schönen Gebäude wie die Abgeordneten von Mecklenburg-Vorpommern. Jahrzehntelang jedoch tagten die Parlamentarier hier in einem eher bescheidenen Sitzungssaal, der in keinem Verhältnis zur glänzenden Optik des Schlosses stand. Seit Ende des vergangenen Jahres steht den Abgeordneten nunmehr mit einem neuen Plenarsaal eine angemessene Wirkungsstätte zur Verfügung. Dafür wurde in aufwändigen Umbauarbeiten der 1913 durch einen Brand zerstörte sogenannte Goldene Saal im Schlossgartenflügel eine Lösung gesucht, die für diese schwierigen Klimabedingungen geeignet sowie unempfindlich gegen Feuchtigkeit ist. Die Wahl fiel schließlich auf „Aestuver“ Brandschutzplatten von fermacell. Diese zementgebundene, glasfaserbewehrte Leichtbetonplatten für den hochwertigen Brandschutz sind nach Europäischer Technischer Bewertung (ETA-11/0458) als nichtbrennbare Baustoffe der Klasse A 1 kategorisiert. Dank der speziellen Materialzusammensetzung eignen sie sich hervorragend für Bauteile und Konstruktionen, deren Umgebungsbedingungen höhere Feuchtegehalte aufweisen und den Einsatz von frost-, wasser- und witterungsbeständigen Plattenwerkstoffen erfordern. Selbst ein frei bewitterter Einsatz ist bedenkenlos möglich und durch die Einordnung in die Nutzungskategorie X nach ETAG 018-1, der höchsten Klasse in Bezug auf Witterungseinflüsse, freigegeben.

Brandschutzdecke

In der Büroebene wurde die Decke als zweilagige Konstruktion mit 2 x 20 mm „Aestuver“ Brandschutzplatten ausgeführt. Hierzu befestigten die Verarbeiter die Platten an einer Unterkonstruktion aus einem UA-Grund- und CD-Tragprofilen. Im Deckenhohlraum erfolgte eine Dämmung mit 60 mm Mineralwolle A1, Schmelzpunkt >1.000°C. Ein etwa 1,70 m hoher Höhenversprung im Deckenverlauf erhielt ebenfalls eine Beplankung mit einer doppelten Lage aus 2 x 20 mm „Aestuver“ Brandschutzplatten. Sämtliche Schraubenköpfe und Fugen wurden mit fermacell „Powerpanel“ Feinspachtel verspachtelt. Die Stahlträger der Deckenkonstruktion wurden auf – brennbaren – XPS-Auf lagerblöcken gelagert. Auf Basis einer gutachterlichen Stellungnahme/ brandschutztechnischen Bewertung hat man diese Bereiche mit einer flächigen, dreilagigen Bekleidung aus 3 x 25 mm dicken „Aestuver“ Brandschutzplatten ausgeführt. Damit ist laut Gutachten sichergestellt, dass über einen Zeitraum von mindestens 90 Minuten die Temperatur auf der Plattenrückseite nicht wärmer als 50 °C wird. Zum Vergleich: Der Schmelzpunkt von XPS liegt bei ca. 100–125 °C. Die Befestigung der Platten erfolgte mit zugelassenen Metalldübeln (Ø ≤ 6 mm) im Abstand von ≤150 mm. Der brandschutztechnisch sichere Abschluss der Fuge zwischen der zweilagig beplankten Deckenkonstruktion und der dreilagig ausgeführten XPS-Bekleidung konnte durch das aufschäumende „Aestuver“ Band „DSB“ gewährleistet werden. Dies ist ein faserfreier, hochaufschäumender Dämmschichtbildner auf Graphitbasis, der im Brandfall dreidimensional expandiert und durch den sich dabei bildenden Schaum für den sicheren Abschluss von Fugen und Spalten sorgt. Abschließend wurde unterhalb der Brandschutzdecke eine Akustikdecke angeordnet.

Brandschutzkonstruktion Fußboden

Der Fußboden der Technikebene (7. Etage) sollte in der Brandschutzklasse F 30 ausgeführt werden. Daher kam hier ebenfalls eine zweilagige Konstruktion (2 x 15 mm „Aestuver“ Brandschutzplatten) zum Einsatz. Die Verlegung erfolgte mit einem Stoßversatz zwischen der ersten und zweiten Lage von mindestens 250 mm auf einer Unterkonstruktion aus IPE bzw. z-Profilen. Eine Verklebung der beiden Plattenlagen untereinander war nicht erforderlich. Da ein direktes Begehen der Brandschutzplatten nicht zulässig ist, wurde zur Lastverteilung zusätzlich vollflächig ein Gitterrost vorgesehen. Der Hohlraum wurde vollflächig mit Mineralwolle ausgefüllt. Die aufgehenden Stahlstützen im Dachgeschoss erhielten auf 50 cm Länge eine einlagige Stützenbekleidung in der Feuerwiderstandsklasse F 30 aus 1 x 25 mm „Aestuver“ Brandschutzplatten.

Fazit

Mit „Aestuver“ Brandschutzplatten konnten beim Neubau des Plenarsaals im Schweriner Schloss die für die Decken im Bürobereich geforderte Feuerwiderstandsklasse F 90 sowie F 30 für den Fußboden der Technikzentrale erfüllt werden. Dank ihrer Witterungs-, Frost- und Wasserbeständigkeit waren die Spezial-Brandschutzplatten auch den herausfordernden klimatischen Anforderungen der Technikzentrale gewachsen, die in einem ungedämmten Kaltraum eingerichtet wurde.

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