Brandschutz mit Trockenunterböden

Damit's darunter nicht zu heiß hergeht

Ein besonderer Vorteil der Trockenestriche ist, dass schon mit relativ geringen Aufbauhöhen eine deutliche Erhöhung des Brandschutzes erreicht werden kann. Über den Brandschutz hinaus können mit Trockenestrichen auch die schallschutztechnischen Eigenschaften bzw. die Wärmedämmung einer Fußbodenkonstruktion deutlich verbessert werden. Durch das relativ geringe Gewicht ergeben sich in den meisten Fällen keine statischen Probleme.

Um einen adäquaten Brandschutz sicherzustellen, wurde auf Basis zahlreicher brandschutztechnischer Prüfungen in Verbindung mit Trockenunterböden eine Grundlage zur brandschutztechnischen Verbesserung von Rohdecken geschaffen. Unter praxisgerechter Betrachtungsweise ist damit im Rahmen eines Allgemeinen Bauaufsichtlichen Prüfzeugnisses (ABP) ein Dokument erstellt worden, das eine Vielzahl an Variationsmöglichkeiten bietet. Dabei lag der Fokus vor allem darauf, bauliche Brandschutzlösungen für die verschiedensten baulichen Gegebenheiten sowohl im Neubau als auch in der Renovierung bzw. Modernisierung zu bieten.

Durch den Einsatz von Trockenunterbodensystemen wurden die unterschiedlichsten Aufbauten brandschutztechnisch klassifiziert. Einstufungen von F60 bis F120 sind realisierbar. Schon durch die Verwendung einzelner Trockenunterböden auf den entsprechenden Rohdeckentypen kann mit nur 30 mm Elementdicke ein Feuerwiderstand von 90 Minuten bei Beanspruchung der Deckenoberseite erreicht werden.

Die baulichen Gegebenheiten sowie Anforderungen sind in der Regel nicht ausschließlich auf ein Leistungsmerkmal wie den baulichen Brandschutz ausgerichtet. Vielmehr kommt es darauf an, durch Kombinationsmöglichkeiten mit ergänzenden Materialien – wie zum Beispiel durch den Einsatz von speziell getrocknetem Porenbetongranulat als Ausgleichsschüttung (Niveauausgleich), Wabendämmsystemen (Deckenbeschwerung) beziehungsweise Plattenmaterialien – neben dem Brandschutz auch die Verbesserung der schalldämmtechnischen Eigenschaften zu optimieren.

Rohdeckenvariationen für Trockenunterböden

Für die brandschutztechnische Verbesserung des tragfähigen Untergrundes (Rohdecke) durch den Einsatz von Trockenunterböden stehen für die brandschutztechnische Einstufung fünf Deckentypen zur Verfügung:

➤ Massivdecken

➤ Holzbalkendecken mit oberer Beplankung

➤ Holzbalkendecken mit tragfähigem Einschub (niveaugleich oder abgesetzt)

➤ Stahltrapezprofile

➤ Stahlträgerdecken

In der Übersicht (Tabelle 1) sind diese fünf Deckentypen spezifiziert und mit ihren Mindestanforderungen bezüglich Beplankung/Schalung benannt. An dieser Stelle ist zu berücksichtigen, dass bei der Dimensionierung der Materialdicken (Beplankung/Schalung) die Mindestanforderungen unter brandschutztechnischen Gesichtspunkten aufgeführt werden. Die Materialdicken sind zudem unter statischen Aspekten zu betrachten, da die Tragfähigkeit des Bodenaufbaues sichergestellt sein muss und eine entsprechende Dimensionierung erforderlich ist.

Detaillösungen

Die Vielfältigkeit der Kombinationsmöglichkeiten im Aufbau ist ein Baustein der Lösungen für den baulichen Brandschutz. Für die Anwendung ist es jedoch unumgänglich, auch Lösungen für den Anschluss an flankierende Bauteile zu bieten. Dabei verhält es sich so, dass ein Bauteil, an das ein Feuerwiderstand von 90 Minuten gestellt ist, für die Anwendung oftmals eine Kombination von mehreren Bauteilen (Bauarten) darstellt. So ist zum Beispiel der Anschluss an eine Trockenbauwand in Kombination mit einem Trockenunterboden ein Knotenpunkt von drei Bauarten (Boden / Wand / Decke). Lösungen für eine brandschutztechnische Ausführung finden sich hier beispielhaft in begleitenden Bauartgenehmigungen, die einen solchen Anschluss regeln (s.a. Bild 1).

Fazit

Trockenunterböden werden seit Jahren erfolgreich und vielseitig im Bauwesen eingesetzt. Hierbei sind geforderte brandschutztechnische Standards mit den Trockenunterböden realisierbar und ermöglichen ein modernes zeitgemäßes Bauen, wobei die wirtschaftlichen Aspekte in jedem Fall gewahrt bleiben. Aufgrund der vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten können mit über 70 Brandschutzaufbauten für die verschiedensten Anforderungen Lösungen geboten werden. Hierbei geht es dann letztendlich um Fußbodenaufbauten für die geforderten Anwendungsbereiche. Um das System abzurunden, werden zudem Details wie Anschlusssituationen im Brandschutz gelöst. Trockenunterböden decken Fußbodenlösungen für den klassischen Wohnbau vom privaten Hausbau über den mehrgeschossigen Wohnbau bis hin zum Nichtwohnbau, wie beispielhaft Krankenhausbau, Büro-/Verwaltungsbau oder Schulbau ab. Trockenunterböden bieten neben den vielfältigen Einsatzbereichen einen zusätzlichen effizienten Brandschutz auf höchstem Niveau. Infolgedessen tragen sie zu Recht zu einem gesteigerten Sicherheitsbefinden bei.


Thematisch passende Artikel:

Gebäudeabschlusswände

Brandschutzlösungen für den Holzbau

In der Musterbauordnung (MBO) und den daraus resultierenden jeweiligen Landesbauordnungen bzw. Durchführungsverordnungen der Länder sind Anforderungen an Wandkonstruktionen beschrieben. Darunter...

mehr

EIPOS-Brandschutz-Fortbildungen auch in Mainz und Nürnberg

In diesem Jahr baut EIPOS seine deutschlandweite Präsenz der Brandschutz-Weiterbildungen weiter aus. Neben den etablierten Standorten Hamburg, Dresden, München und Stuttgart werden 2019...

mehr
Geprüfte Lösungen für Durchführungen und Fluchtwege

Mehrschichtverbundrohre überzeugen

Zahlreiche Verordnungen und gesetzliche Vorschriften regeln den Brandschutz in Gebäuden, mit dem Ziel, die Ausbreitung eines Feuers für einen möglichst langen Zeitraum aufzuhalten. Meist verlaufen...

mehr

Wanddurchführungen und Fluchtwege

Grundlage für die geprüften Brandschutzlösungen ist das Allgemeine bauaufsichtliche Prüfzeugnis ABP-P 3147/584/11-MPA BS von 2013 für „alpex F50 Profi“ (16 bis 32 mm) und „alpex L“ (40 bis 75...

mehr

EIPOS-Sachverständigentage Brandschutz 2019 – Programm veröffentlicht

Am 18. und 19. November finden in Dresden die 20. EIPOS-Sachverständigentage Brandschutz statt. Über 900 Brandschutzexperten werden zum zweitägigen Fachkongress erwartet, um aktuelle Trends und...

mehr