Die Zukunft des Brandschutzes

Automatische Löschsysteme künftig auch im Privatbereich?

Aktuell gibt es in allen Lebensbereichen eine rasante Entwicklung mit immer neuen Technologien der Elektronik, Elektromobilität und Haustechnik, die via Mobiltelefon steuerbar sind. In diesem Bereich hat der Brandschutz deutlichen Nachholbedarf.

Handfeuerlöscher im Haushalt sind eine sinnvolle Investition in die eigene Sicherheit. Eine Verpflichtung zur Vorhaltung von Feuerlöschern existiert jedoch nur im Gewerbe. Daher ist die Verbreitung von Feuerlöschern im Privatbereich längst nicht auf dem wünschenswerten Stand. Und was passiert während der Abwesenheit der Bewohner? Für Hauseigentümer empfiehlt sich der Gedanke an den Einbau einer automatischen Hauslöschanlage. Der erweiterte Personen- und Sachwertschutz durch eine solche Anlage ist im gewerblichen Bereich nicht nur gesetzlich, sondern oftmals auch von der Versicherungswirtschaft gefordert. Das ist künftig ob des immens gestiegenen Wertes von Immobilien auch im Privatbereich durchaus vorstellbar.
Ein weiteres Argument für den Einbau einer Hauslöschanlage ist die abnehmende Verfügbarkeit einsatzbereiter Freiwilliger Feuerwehren. Damit werden sich in Zukunft Anmarschzeiten und Aktionsradien verändern. Einer frühzeitigen Branddetektion und effektiven Brandbekämpfung kommt somit eine wesentlich größere Bedeutung zu. Denkbar ist, dass das aktuelle System des abwehrenden Brandschutzes, das sich durch eine hohe Verfügbarkeit in der Fläche auszeichnet, nicht mehr selbstverständlich sein wird. Vorbeugen sollte man daher bereits jetzt durch technische Maßnahmen. Andere Länder sind uns hier bereits weit voraus. So gehören Haussprinkleranlagen in den USA schon länger zum gängigen Repertoire.
An der MPA Dresden wurden bereits einige Systeme vorgestellt und hinsichtlich ihrer Effektivität bei der Brandbekämpfung getestet. So gibt es bereits technische Lösungen zum Einbau von Kleinstlöschanlagen in elektrische Systeme. Im Falle des Versagens elektronischer Bauteile können diese Anlagen bei Auslösung die Stromzufuhr unterbrechen, kleine Mengen Löschgas gezielt auf Leiterplatten aufbringen und so Entstehungsbrände frühzeitig bekämpfen.
Andere Systeme arbeiten mit einer besonderen Aerosoltechnik, bei der durch chemische Reaktion feine Lösch­mittelpartikel erzeugt und ausgestoßen werden, welche das Feuer löschen. Mit solchen Systemen lassen sich bereits heute Transportbehälter, Serverschränke und ganze Räume absichern und im Brandfall löschen. Vorteile der Aerosoltechnik liegen u.a. im geringen Platzbedarf der Einbauten, weitgehend rückstandsfreiem Löschen, der Skalierbarkeit für unterschiedliche Raumgrößen und -strukturen sowie den überschaubaren Kosten. Verbunden mit der zugehörigen Melde- und Alarmierungstechnik entsteht so ein effizientes Schutz-System.

Technisch wesentlich aufwendiger und damit auch teurer sind Gaslösch- oder Sprinklersysteme. In Firmen ist der Einbau dieser Systeme gängige Praxis. Oft wird die Vorhaltung automatischer Löschanlagen auch von den Schadensversicherern gefordert. Höhere Immobilienpreise, technische Aufrüstung und Vernetzung der Gebäudeinstallationen sowie die damit verbundenen höheren Schadenssummen könnten durchaus dazu führen, dass Versicherungen auch im Privatbereich umdenken.

Einfache automatische Löschsysteme können zum Beispiel Feuerlöscher mit eingebautem Sprinklerkopf sein. Hier erfolgt das Löschen wie bei herkömmlichen Sprinklersys­temen mit wässrigem Löschmittel oder Löschpulver. Solche Systeme sind in Sport­booten zur Absicherung von Motorräumen im Einsatz. Alles in allem ist ein breites Anwendungsspektrum für den privaten Sektor erkennbar, dem eine zunehmende Bedeutung für die Einführung automatischer Löschsysteme zukommen wird. Wann diese tatsächlich im Privatbereich zur Ausstattung gehören werden und ob sie verpflichtend vorgeschrieben werden, wird sich zeigen.

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